Arbeitseinsätze von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Sozial- und Kulturzentrum „Gitschiner 15“

März 2021. In der Werkstatt des Sozial- und Kulturzentrums in der Gitschiner Straße 15 wird momentan viel getüftelt und gearbeitet: Junge Erwachsene arbeiten an Insektenhotels, die im Kiez den ökologischen Kreislauf unterstützen sollen. In Zeiten von Corona werden die Einsätze im Blitzjob-Projekt von Caiju e.V. an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst.

„Blitzjobs bieten mir die Chance, mich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren und verschiedene Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig macht es viel Spaß", berichtet Zeno. Pandemiebedingt findet seine eigentliche berufsvorbereitende Maßnahme momentan nicht statt. Zusammen mit Maria und Jack zimmert er so nun in der Holzwerkstatt des Sozial- und Kulturzentrums „Gitschiner 15“ unter fachkundiger Begleitung des Werkstattverantwortlichen Karl an Insektenhotels für seinen Kiez.

Dahinter steckt das ‚Blitzjob-Projekt‘ von Caiju e.V., das seit August 2018 vom Quartiersmanagement Wassertorplatz gefördert wird und nun eine Verlängerung der Förderung bis Ende des Jahres 2022 erhält. Der Kerngedanke ist, dass Jugendliche so erste berufliche Erfahrungen sammeln und sich orientieren können. „Es geht darum, das Selbstbewusstsein zu stärken, verschiedene gesellschaftliche Bereiche kennen zu lernen und Verlässlichkeit zu erproben und zu erlernen“, berichtet Projektleiterin Lucija Wicaz von Caiju e.V. Sie selbst kam vor 10 bis 12 Jahren mit dem Projekt in Kontakt – damals als Teilnehmerin an Blitzjobs im Quartier Oberschöneweide.

Die Verknüpfung der Blitzjobs mit Arbeitsbedarfen im Kiez ist für das Projekt zentral. Im Quartier Wassertorplatz hilft das Kieznetzwerk Kreuzberg und die gewachsene Mundpropaganda bei der Vermittlung zwischen Bedarfen und Jobber*innen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen lernen die Arbeitseinsätze direkt im „Real Life“ bei den Kund*innen kennen – Learning by doing. Zum Beispiel halfen in der Wohnung einer älteren Dame aus dem Kiez kürzlich Jugendliche bei der Demontage eines alten Betts und lernten dadurch gleichzeitig die Arbeit des Pflegestützpunkts kennen. Bei einem Schlosser im Kiez war die Stützmauer eingestürzt. Hier halfen die Blitzjobber*innen dabei, die Mauer komplett abzutragen und das gebrochene Mauerwerk der Entsorgung zuzuführen.

„Wir haben auch schon im Bioladen geholfen oder im Theater vom Aufbauhaus. Dort haben wir die Bühne vorbereitet, das gefiel mir sehr gut“, sagt Maria. Angeleitet werden sie dabei teilweise von echten Profis. „Auch das ist ein Kernelement von unserem Blitzjob-Format“, berichtet Lucija Wicaz. Durch die professionelle Erfahrung, die im Netzwerk vorhanden ist, können die Jugendlichen und jungen Erwachsenen viel lernen. Als gelernte Bautischlerin konnte Lucija Wicaz im Projekt selbst schon einiges an Wissen weitergeben. „Ich kann mir gut vorstellen, später in den Bereich Veranstaltungstechnik zu gehen oder eine Ausbildung zur Tischlerin zu machen“, fährt Maria fort.

Die Lernkurve ist besonders hoch, wenn wie aktuell in der Holzwerkstatt der „Gitschiner 15“ die jungen Erwachsenen über einen längeren Zeitraum an einem gemeinsamen Projekt arbeiten. Bedingt durch Corona wird derzeit auf das Rotationsprinzip bei den Arbeitseinsätzen verzichtet. Längerfristige Projektjobs gehören damit genauso zu Caijus Repertoire wie die klassischen kurzfristigen, niedrigschwelligen Arbeitseinsätze, die als „Blitzjobs“ für eine große Bandbreite an Jugendlichen zwischen 13 und 25 Jahren offenstehen. Die gesellschaftliche Anerkennung, die den Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch die Jobs entgegenkommt, ist teilweise enorm.

Für die bislang entstandenen beiden Insektenhotels gibt es bereits Abnehmer direkt aus dem Kiez. Mit einer Anfrage von der AG Grün vom GEWOBAG Mieter*innenbeirat steht schon der Auftrag für ein drittes Insektenhotel in den Startlöchern. Außerdem starten in den nächsten Tagen die Arbeitseinsätze in der Nähwerkstatt des Kultur- und Sozialzentrums „Gitschiner 15“, um für Obdachlose Jutebeutel zum „Take away“ ihres Essens zu nähen. Beides fördert die Nachhaltigkeit und Verbundenheit im Kiez ganz besonders.

Für die Blitzjobber*innen im Quartier Wassertorplatz gibt es in den kommenden Monaten einiges zu tun. „Die Blitzjobs haben mir schon verschiedene Einblicke in verschiedene Berufe ermöglicht. Es beschäftigt einen immer vielseitig“, folgert Jack. Auch Zeno hat persönlich noch viel vor: Zunächst will er sich weiter in der Holzwerkstatt engagieren, plant aber gleichzeitig eine Bewerbung für eine Ausbildung als Fachinformatiker.

Mehr zum Projekt: TeenKom vor Ort – Blitzjobs, Projekte und Begegnungen