Juni 2025.
Geographisch berühren sich die Kreuzberger Quartiersmanagementgebiete Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße und Wassertorplatz an einem einzigen Punkt. Doch inhaltlich gibt es viele Berührungspunkte. Wie viele Themen sich überschneiden, das brachte ein gemeinsames Treffen beider Quartiersräte am 25. Juni ans Licht.
"Wir wollen uns wieder treffen" steht mit blauem Edding geschrieben in der Mitte eines großen Papierbogens. Dieser Wunsch ist eines von vielen Ergebnissen eines Treffens der beiden Quartiersräte, die sich im Gebiet zwischen U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof und St. Jacobi-Kirche engagieren. Es wurde später als 20 Uhr, doch gemerkt hat es niemand von den rund 30 teilnehmenden Räten. In ihrem ehrenamtlichen Engagement für ihren Kiez schauen die einen auf das Gebiet rechts und links der Prinzenstraße, die anderen auf das Gebiet rund um das Kottbusser Tor. Doch es gibt in beiden Quartieren einige Aufgaben, die die Quartiersräte gemeinsam angehen können – und wollen.
An den von den beiden Quartiersmanagementteams bereitgestellten Tischen drehten sich die Gespräche schnell um das Thema Mieten und Mieterhöhungen. Auch das Thema Müll beschäftigt die Räte in beiden Quartieren stark. Ein kleiner und konkret zu fassender Wunsch war der nach einer Erleichterung der Querung der Gitschiner Straße: ein Übergang über die vielbefahrene Straße solle eingerichtet werden. Diese Hauptstraße zu überwinden sei nicht nur für Ältere gefährlich. Sie schneide den eigentlich nahegelegenen Landwehrkanal mit dem schönen Böcklerpark aus dem fußläufigen Bereich heraus.
Die beiden Teams der Quartiersmanagements wiesen in den Gesprächen auf das Flipchart hin. Auf dem fast einen Quadratmeter großen Papierbogen konnten diese Themen und Aufgaben für ein künftiges gemeinsames Tun notiert werden.
"Wenn ihr mich heute als Quartiersmanager weinen sehen wollt, dann sprecht mich auf diesen Ort hier an, an dem wir uns treffen: auf die Verkehrsschule!", rief Lars Viehmeyer gleich zu Beginn des Treffens. Er ist Büroleiter des Quartiersmanagements Wassertorplatz. Seit vielen Jahren setzt er sich für eine Sanierung der Verkehrsschule auf dem nördlichen Teil des Platzes ein – bislang erfolglos. Angesichts des anstehenden Auslaufens des Förderprogramms für das Gebiet wird er die Instandsetzung des Lehrparcours wohl auf die Liste der unerledigten Aufgaben schreiben müssen.
Auch Dr. Laila Atrache-Younes, Teamleiterin des Gebiets Zentrum Kreuzberg und gleichzeitig Geschäftsführerin des Trägers der beiden QM-Gebiete (dem Verein zur Förderung von demokratischen Entwicklungsprozessen e.V. - VDE e.V.), sagt: „Wenn das Quartiersmanagement geht, werden nicht alle Probleme gelöst sein.“ Umso wichtiger sei es, gemeinsame Themen auch in Zukunft zu besprechen. Das sei wichtig, auch wenn es nicht um Luftschlösser gehen könne.
Zu den weiteren Themen, die auf dem Papierbogen gesammelt wurden, zählt beispielsweise das Thema Bildung. Nicht vergessen werden solle die musikalische Bildung, wie eine dünne grüne Schrift das in schwarz und mit großen Buchstaben geschriebene Wort Bildung ergänzte. Auch Sicherheit in der U-Bahn wurde notiert. Dem Ziel, die Gemeinschaft zu stärken, dient der Vorschlag eines Gemeinschaftsfestes mit Suppe. Als La Fête de la Soupe nahm Lars Viehmeyer diesen Aufschlag auf. Zum Stichpunkt Straßenübergänge sagte Dr. Laila Atrache-Younes: "Dafür ist nicht der Bezirk zuständig. Der richtige Ansprechpartner ist die Verkehrslenkungszentrale. Die laden wir dazu ein." Dann könne man nicht nur einen einzelnen Straßenübergang, sondern die Barriere Gitschiner Straße insgesamt in den Blick nehmen.
Zu Beginn des Treffens der beiden Quartiersräte wurde klassisch zu zwei Kennlernspiele gebeten. Aufgabe 1: Stellt euch gemäß eurer Zugehörigkeit zum Quartiersmanagement in einer Reihe auf! Aufgabe 2: Stellt euch auf einer gedachten Karte gemäß eurem Wohnort auf! So kamen die Gespräche zwischen den Räten beider Quartiere schnell in Gang. Dass die einen im Gebiet mit der offiziellen Bezeichnung Wassertorplatz und die anderen im Gebiet Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße leben, war schnell Nebensache.
Gespräche in Gang hält am besten ein reich gedeckter Tisch. Deshalb luden die beiden QM-Teams nach dem Kennenlernen umgehend dazu ein, an der langen Tafel mit weißer Tischdecke und schmückenden Blumen Platz zu nehmen. Dort saßen dann abwechselnd ein Rat aus dem einen und ein Rat aus dem anderen Gebiet nebeneinander.
Hörte man bei den Gesprächen zu, dann wirkte es so, als ob die beiden QM-Gebiete in der Wahrnehmung der Anwohnenden einfach Kreuzberg sind. S036 eben. Dagegen – so schien es – wurde das dritte Kreuzberger QM-Gebiet (der Mehringplatz am U-Bahnhof Hallesches Tor) nicht mehr zum Kiez zugehörig gezählt. Das Gefühl der lebensräumlichen Nähe von Wassertorplatz und Zentrum Kreuzberg erleichterte den Austausch spürbar.
Dass am Ende auf dem Papierbogen mehrmals der Wunsch nach einer Wiederholung eines gemeinsamen Treffens zu lesen war, zeigt, dass die Veranstaltung von beiden Quartiersräten als positiv wahrgenommen wurde. Vielleicht war der Abend der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?
Text: Andrei Schnell, 01.07.2025


