April 2026. In der Galerie CLB im Aufbau-Haus am Moritzplatz war zuletzt eine Ausstellung zu sehen, die sechs Seniorinnen aus dem Kiez porträtierte. Sie blickten auf ihr bisheriges Leben zurück und ließen dabei durchaus ernste Töne erklingen. Bei der Ausstellungseröffnung mit Erstpräsentation des ebenfalls entstandenen Begleitfilms ernteten die Macherinnen und Protagonistinnen viel Applaus. Viele interessierten sich für die Geschichten hinter den Gesichtern. Die Ausstellung war Teil des über das Quartiersmanagement Wassertorplatz im Programm Sozialer Zusammenhalt geförderten Projekts Gitti & Gerda – Gemeinsam weniger einsam.
Bereits während und kurz nach der Corona-Zeit hatte das Projektteam eine Fotoausstellung über Seniorinnen aus dem Kiez realisiert. Schnell entstand der Wunsch, die Geschichten noch intensiver und vielschichtiger zu erzählen. „Das reicht nicht“, erinnerte sich Susi Hape von Wassertor e.V. bei der Ausstellungseröffnung am 23. April in der gut besuchten Galerie CLB.
Seit dem Start des Projekts Gitti & Gerda – Gemeinsam weniger einsam im März 2021, gefördert durch das Quartiersmanagement, geht das Team immer wieder neue und unkonventionelle Wege. Ob bei Trike-Touren, bei denen die Seniorinnen kurzerhand in den Seitenwagen von Motorrädern Platz nahmen, oder beim Tanzvergnügen in der Kreuzberger Kultlocation SO36 – die gemeinsamen Aktivitäten schaffen besondere Erlebnisse und stärken das Miteinander.
Als Susi Hape die Filmemacherin und Fotografin Sophia Emmerich mit der Idee ansprach, eine größere Ausstellung über einige besonders engagierte Teilnehmerinnen umzusetzen, reagierte diese zunächst zurückhaltend. Doch aus der anfänglichen Skepsis entwickelte sich ein Konzept, das über eine rein dokumentarische Darstellung hinausgeht.
Im Mittelpunkt stand nicht nur die Sichtbarmachung älterer Menschen und die Würdigung ihrer Lebensgeschichten, sondern auch die Auseinandersetzung mit Themen wie Vergänglichkeit, Tod und gelebtem Leben. Der begleitende Film griff diese Aspekte in eindringlichen, sehr persönlichen Momenten auf. Die emotionale Tiefe der Erzählungen war bei der Präsentation deutlich spürbar – nicht selten wurden im Publikum Taschentücher gezückt.
Besonders bewegend war schließlich der Moment, als die porträtierten Seniorinnen selbst nach vorne traten, um sich bei den Macherinnen zu bedanken: bei Sophia Emmerich für die einfühlsame filmische und fotografische Umsetzung und vor allem bei Susi Hape, die das Projekt seit Jahren mit großem Engagement begleitet, immer wieder neue Ideen einbringt und auch künftig Impulse setzen wird.

